In diesem Teil meiner Marokkoreihe soll es um meine Begegnung mit Nomaden mit mittleren Atlasgebirge gehen.

 

Wie es dazu kam

Bereits im Vorfeld hatte ich bei meinen Recherchen zu Marokko gelesen, dass es auch heutzutage noch echte Nomaden dort gibt, die abseits der normalen Gesellschaft von und mit der Natur leben. Natürlich war mein Interesse geweckt, allerdings wusste ich nicht, wie ich sie zu Gesicht bekommen sollte.

Durch reinen Zufall wird bei unserem Zwischenstop in Tinghir, einer kleinen Stadt im Südosten Marokkos, ein Mann auf mich aufmerksam, als ich Bilder von einem Markthändler mache und sich eine kleine Menschenmenge bildet. Er spricht mich direkt an und stellt sich als Lhoussaine vor. Schnell kommen wir ins Gespräch und er zeigt uns die Stadt ein wenig.

Bei einem gemeinsamen Abendessen erzählt er uns von einem Nomadenstamm zu dem er uns führen könnte. Ich bin sofort Feuer und Flamme. Nach einigen Lammkoteletts und vielen Gläsern Minztee – scherzhaft „Whiskey Marccaine“ von den Einheimischen genannt – steht unser Plan.

Wir würden nicht nur mit ihm zu den Nomaden wandern, sondern gleich mehrere Tage unterwegs sein und auch die Sahara mit ihm besuchen. So hätten wir unseren ganz persönlichen Guide ohne Touristengruppen und auch noch zu einem sehr günstigen Preis. Das Glück ist auf meiner Seite.

 

Der Weg zu den Nomaden

Am nächsten Morgen beginnen wir direkt mit dem Aufstieg von der Todraschlucht aus. Früh genug, um den üblichen Touristenhorden zu entgehen aber spät genug um die Kraft der nordafrikanischen Sonne zu spüren zu bekommen.

Von dort aus steigen wir für circa 2 Stunden einen felsigen Trampelpfad hinauf, auf dem uns auch einige Frauen samt Eseln und Kindern auf ihrem Weg ins Dorf entgegenkommen.

Eine Gelegenheit, die ich mir natürlich entgehen lassen kann.

Das Leben in den Bergen

Oben angekommen überreichen wir der Familie einige Geschenke, die Lhoussaine besorgt hat. Simple Dinge wie Zucker, Tee, Kekse. Simpel aber dennoch so wichtig für diese Menschen.

Bei einem heißen Minztee sitzen wir unter einem kleinen selbsterbauten Sonnenschutz und sprechen über das Leben dort in den Bergen. Mit über 10 Töchtern und deren Kindern lebt der alte Mann, leider habe ich seinen Namen a bei mehrmaligem Nachfragen nicht verstanden, dort in den Höhlen. Elementar sind dabei die Schafe, die sowohl für Wolle, als auch Milch und Fleisch sorgen. Nur noch 20 Stück sind übrig nach dem letzten Winter. Ein schwerer Schlag, aber er ließe sich nicht unterkriegen, meint er. Es wirkt wie ein karges, hartes Leben auf mich. Aber kein unzufriedenes. Auf jeden Fall ein komplett anderes als unseres hier in Deutschland.

Besonders interessant sind für mich die Kinder. Ich kann es nicht genau in Worte fassen, aber auf irgendeine Weise merkt man sofort, dass diese Kinder in einer völlig anderen Umgebung aufwachsen als bspw. Kinder bei uns. Vielleicht sind es diese strengen und durchdringenden Gesichtsausdrücke. Ich weiß es nicht genau.

Bevor wir uns wieder an den Abstieg machen darf ich noch dabei zusehen wie der Teig für das heutige Brot der Familie zubereitet wird.

Ich hinterlasse der Familie noch ein Andenken mit meiner Instantkamera, das fasziniert begutachtet wird und wir machen uns auf den Rückweg.

Ein Tag den ich nicht so schnell vergessen werde.